Betriebsveräußerung

Veräußerung eines Liebhabereibetriebs – ein teurer Spaß?

Sie besitzen ein Unternehmen, das Verluste schreibt, möchten es aber als Liebhabereibetrieb weiterführen? Dann aufgepasst! Wenn Sie bei der Umwandlung des Unternehmens in einen Liebhabereibetrieb stille Reserven festschreiben, haben Sie Ihre einkommenssteuerrechtlichen Verpflichtungen nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Verkaufen Sie den Betrieb Jahre später doch, zahlen Sie für den steuerpflichtigen Teil des Verkaufserlöses Einkommensteuer.

Zunächst einmal: Was ist ein Liebhabereibetrieb? Ein Liebhabereibetrieb unterscheidet sich von gängigen Unternehmen dadurch, dass der Besitzer keine Gewinnerzielungsabsicht, sondern andere Ziele verfolgt. Beispiel: Er möchte den Betrieb aufrechterhalten, um ihn später seiner Tochter zu übergeben. Liebhabereibetriebe sind grundsätzlich ohne steuerliche Bedeutung: Aufwendungen und Verluste mindern das zu versteuernde Einkommen des Besitzers nicht. Auch Wertänderungen des Betriebs selbst haben keine steuerlichen Auswirkungen.

In seinem Urteil vom 11.5.2016, Az. X R 15/15, hat der Bundesfinanzhof (BFH) unmissverständlich klar gemacht, dass der Übergang von einem Gewerbebetrieb zur einkommensteuerlich unbeachtlichen Liebhaberei nicht als Betriebsaufgabe zu betrachten ist. Wenn also das Betriebsvermögen nicht aufgelöst wird, verbleibt es als stille Reserve im Unternehmen.

Kommt es nun aber doch zu einem Verkauf oder einer Betriebsaufgabe, muss der Besitzer den steuerpflichtigen Teil des Gewinns im Jahr der Veräußerung oder Aufgabe versteuern. Die Berechnungsgrundlage für die Steuer bildet die stille Reserve, nicht der tatsächlich erzielte Erlös. Zitat aus dem Urteil des BFG: „Die Veräußerung eines Liebhabereibetriebs kann daher auch dann zu einem steuerpflichtigen Gewinn führen, wenn der erzielte Erlös die festgestellten stillen Reserven nicht erreicht.“

Wer das BFH-Urteil vom 11.5.2016, Az. X R 15/15, im Wortlaut nachlesen möchte: http://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=en&nr=33941.

Für die Praxis bedeutet das: Bevor Sie ein Unternehmen zum Liebhabereibetrieb verwandeln, sollten Sie das Betriebsvermögen sehr sorgfältig einschätzen. Zudem sollten Sie einen Verkauf zu einem steuerlich möglichst günstigen Zeitpunkt vornehmen. Sprechen Sie mit Experten (wie uns), bevor daraus ein teurer „Spaß“ wird.