„Danke, Mama“. Darum sollten Sie die ortsübliche Miete bei Vermietungen an Verwandte unbedingt beachten.

„Danke, Mama“. Darum sollten Sie die ortsübliche Miete bei Vermietungen an Verwandte unbedingt beachten.

Wer eine Wohnung im Haus von Mama und Papa, Onkel Otto oder Oma Elfriede bewohnt, hat dafür in der Regel einen sehr guten Grund: die niedrige Miete. Aber Vorsicht: Fällt der „Rabatt“ zu hoch aus, drohen dem Vermieter steuerliche Nachteile.
Der Fiskus hat mit einer verminderten Miete überhaupt keine Probleme, solange die 66-Prozent-Regel eingehalten wird. Das heißt, dass nach § 21 Abs. 2 EStG bei einer Vermietung an Angehörige von einer voll entgeltlichen Überlassung von Wohnraum auszugehen ist, wenn sich die Miete auf mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete beläuft. Dann kann der Vermieter sämtliche Werbungskosten in voller Höhe geltend machen.
Der Hintergrund: Vater Staat möchte verhindern, dass sich Vermieter arm rechnen. Denn die Kosten der Immobilie könnten die Mieteinnahmen rein buchhalterisch übersteigen, obwohl de facto ein Überschuss auf dem Konto verbleibt. Das liegt an Abschreibungen, die Hausbesitzer jährlich als steuermindernden Aufwand ansetzen können.
Und was genau ist mit der „ortsüblichen Miete“ gemeint: die Kalt- oder die Warmmiete? Genau diese Frage hat der IX. Senat des BFH nun mit Urteil vom 10.5.2016 - IX R 44/15 klargestellt. Die Warmmiete ist der entscheidende Maßstab. Betroffenen ist zu raten, diese Entscheidung des BFH streng zu beachten, damit der vollständige Werbungskostenabzug gewährleistet bleibt.

Weitere Hinweise:

  • Sie sind unsicher, wie hoch die ortsübliche Miete ist? Der einfachste Weg besteht darin, drei Vergleichswohnungen zu benennen. Falls Sie diese Information nicht haben, schauen Sie sich vergleichbare Mietangebote in Immobilienportalen an.
  • Für den Fall, dass Sie die ortsübliche Kaltmiete nur grob schätzen können: Lassen Sie den Mieter unbedingt 100 Prozent der Nebenkosten Falls Sie die Kaltmiete zu gering angesetzt haben, heben die vollen Nebenkosten die maßgebliche Warmmiete über die 66 Prozent-Marke. Jedenfalls gewinnen Sie etwas Spielraum, wenn das Finanzamt kritisch nachhakt.
  • Die 66-Prozent-Regel gilt auch für nicht verwandte Mieter. Für wen also beim Thema Geld die Freundschaft nicht aufhört, sollte aufpassen, dass er nicht noch draufzahlt.

Überlassen Sie Verwandten oder Freunden eine Wohnung gänzlich kostenlos, kennt der Fiskus kein Erbarmen: Sie dürfen keinerlei Werbungskosten ansetzen. Im Gegenteil: Im schlimmsten Fall ist Schenkungssteuer fällig.